Dienstag, 5. Januar 2016

Meine zweitgrößte Liebe - oder "I left my heart in London"

Die Plattform getyourguide fragt in Ihrer Aktion "I left my heart in" an welche Stadt ich mein Herz verloren habe. Unter dem Hashtag #ileftmyheartin sammeln sie die Geschichten. Da ich das Thema spannend finde und es nur eine Stadt gibt an die ich wirklich mein Herz verlor, mache ich gerne mit.

Wenn ich heute darüber nachdenke begann eigentlich alles in einem muffigen Klassenzimmer in der 5. Klasse des Gymnasiums. Genau genommen in meinem Lehrbuch für den Englischunterricht. Abgelenkt blätterte ich durch das Buch und blieb immer wieder auf den Seiten über London hängen. Ich prägte mir die Sehenswürdigkeiten auf den bunten Hochglanzseiten ein und sollte wohl nicht mehr von ihnen los kommen. Meine Tante brachte mir damals ihre alten Stadtführer und Tubemaps mit, was ich alles wahnsinnig faszinierend fand.
1996 war es dann soweit. Meine Großeltern erhofften sich eine signifikante Verbesserung meiner Schulnoten in Englisch und schlugen mir eine Sprachreise vor. Reiselustig wie ich schon damals war, nahm ich das Angebot natürlich dankend an und durfte so das erste Mal diese großartige Metropole live und in Farbe erleben. Wisst Ihr, 1996 war es noch erlaubt auf den Trafalgar Square die Tauben zu füttern. Ich sehe heute noch die Taubenschwärme über den Platz ziehen und die leichte Panik in den Augen der Touristen wenn sie von einem Kind aufgescheucht wurden. Ich erinnere mich auch gerne an Speakers Corner. In diesem Jahr durfte ich, das einzige Mal während meiner Londonreisen, wirklich angeregte Diskussionen dort erleben. Wenn ich die Augen schließe sehe ich die Menschen die dort auf ihren Trittleitern und Stühlen standen, die Leute bekehren wollten oder einfach über das Leben philosophierten.
Mein Besuch bei Madam Tussauds. 1997
(c) Anja Winkler
1997 durfte ich mit meinen 15 Jahren die Stadt noch einmal unsicher machen. Meine Großeltern wollten mir nach meiner Begeisterung der vergangenen Fahrt etwas Gutes tun und mir noch einmal eine Sprachreise ermöglichen. Wir ließen uns einfach von der Stadt treiben. Ich stand am Straßenrand der Oxfordstreet und schaute mir fasziniert die Massen an Leuten an, die ihren Geschäften nach gingen. Zu dieser Zeit fuhren noch die alten Routemaster, allerdings war glaube ich das Auf- und Absteigen während der Fahrt schon nicht mehr erlaubt.

Tower Bridge, 2000
(c) Anja Winkler
Das nächste Mal besuchte ich London im Jahr 2000. Ich hatte gerade das Abi in der Tasche und überredete eine Freundin mich auf meiner Backpacking Tour zu begleiten. Wir streiften durch die Stadt, shoppten und genossen das Leben. Die Jugendherberge Holland Park in der wir damals schliefen, gibt es heute gar nicht mehr. Solche Betten wie dort habe ich später nie wieder in einer Jugendherberge gesehen. Man schlief dort wie in einer Koje und es waren immer 3 Betten über einander angeordnet.
Trafalgar Square, 2000
(c) Anja Winkler
Es ist als ob mich diese Stadt wie ein Magnet anzieht. Mit jeder Reise entdecke ich mehr von ihr. Eine alte Bekannte die ich immer wieder besuche und die mich einfach nicht los lässt. 2001 schnappte ich meine Familie und zeigte ihr die Stadt.
Ein kleiner Eckpunkt in meinem Leben ist der Besuch Londons 2003. Ich flog das erste Mal in meinem Leben mit einem Flugzeug. Mein damaliger Freund und jetziger Mann überredete mich dazu dieses Reisemittel zu wählen (zuvor wählte ich schon allein aus Kostengründen immer den Fernbus). Aber ich gebe zu, ich habe den Respekt vor dem Fliegen nie verloren. Es war unser erster gemeinsamer Urlaub.
"Big Ben", 2000
(c) Anja Winkler
Wir schlenderten an der Themse entlang und genossen ein weihnachtliches Orgelspiel in der St. Pauls Cathedral. Zusammen besuchten wir das berühmte Globe Theater und streiften durch die Carnegie Road. Ich erinnere mich auch schmunzelnd an unser Essen in Chinatown. In einer kleinen Nebenstraße aßen wir in einem chinesischen Imbiss. Wir konnten kein Zeichen der chinesischen Karte lesen und bestellten aufs Geradewohl mit Händen und Füßen. Ich hatte Glück und bekam ein sehr leckeres Nudelgericht.

Blick auf London von Greenwich, 2003
(c) Anja Winkler
Durch eines meiner Hobbies, dem Stricken, lernte ich London auch von der kreativen Seite kennen. Ich suchte nach Wollgeschäften und besuchte mit meiner Mutter zweimal die Knitting and Stitching Show im Alexandria Palace. So kreative und auch wollverrückte Menschen wie in London habe ich selten getroffen.
Kniting and Stiching Show, Alexandria Palace, 2013
(c) Anja Winkler
Mit meinem Mann sah ich zu einem späteren Zeitpunkt noch ein NFL Spiel (National Football League) im Wembley Stadion in dieser großartigen Stadt. Wir erkundeten Little Venice, den Hausberg Londons, den Parliaments Hill, schauten uns Musicals an und besuchten das Warmuseum. Ich stand vor dem Grab von Karl Marx, fand den Eingang zu den London Baths, suchte Gleis 9 3/4 im Bahnhof Kings Cross, sprang über den Nullmeridian und lernte die Funktionsweise der Flood Barriers im Norden Londons kennen. Das war übrigens einer der überwältigensten Momente für mich, denn dort schloss sich der Kreis. Der Kreis zwischen einem Bild im Schulbuch und den leibhaftigen Erleben vor Ort.

London bietet so viel, das naturhistorische Museum, das British Museum, die Nationalgalerie, den Broadway, so viele Parks zum verweilen. Pups, Restaurants, Bars für das leibliche Wohl und alles immer erreichbar mit dem Tube- und Bussystem. London ist laut, London ist dreckig, London ist manchmal stickig, aber wenn diese Stadt dich eingefangen hat, dann lässt sie dich nicht mehr los.

Ja! - I left my heart in London!

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