Donnerstag, 25. Juni 2015

Seepferdchenprüfung



Letzte Woche hat mein großes Vorschulkind seine Schwimmprüfung zum Seepferdchen abgelegt. Auf dem Weg zum Schwimmhalle traf ich eine andere Mutter mit der ich oft schwatze und meinte zu ihr: „Drück mal die Daumen, der Große hat heute seine Seepferdchenprüfung“. Ihre Antwort darauf ließ mich grübeln und nachdenklich werden.  

„Ich finde Kinder in dem Alter müssen noch keine Prüfung ablegen“. 

Ich schluckte kurz, zuckte innerlich mit den Schultern und wir gingen weiter Richtung Schwimmhalle. Am letzten Tag des Schwimmkurses durften  die Eltern am Rand des Beckens die Stunde über dabei sein und ihre Kinder beobachten. Mein Großer wählte mich und so setzte ich mich auf die Bank ans Fenster.  Ich hatte meinen Großen schon eine Weile nicht mehr schwimmen sehen und war wirklich fasziniert. In Gedanken war ich aber immer noch bei der Antwort. 

Was davor geschah:

Mein Großer ist eine echte Wasserratte und es lag mir wirklich am Herzen das er Schwimmen lernt. Zum einen weil er keine Scheu kannte auch in tiefere Gewässer zu springen und ich keine Angst mehr um ihn haben wollte, zum anderen weil er den Schwimmgürtel zunehmend doof und störend fand. Mit seinem 5. Lebensjahr buchten wir den ersten Schwimmkurs. Er fand in der Schwimmhalle der größeren Nachbarstadt statt und war eigentlich wie wir später rausfanden als Wassergewöhnung gedacht. Sprich Schwimmen lernte er dort nicht. Der Folgekurs sollte am Ende die Seepferdchenprüfung beinhalten was uns die Hoffnung gab das er nun diesmal in der Schwimmschule schwimmen lernen würde. Doch als ich nun in dieser letzten Stunde dort mein Kind hinbrachte (davor übernahm das immer mein Mann) sah ich die Ergebnisse dieses Kurses. Ich war entsetzt. Eine Schwimmlehrerin betreute dort sage und schreibe 11 Kinder. Was dann in der Umsetzung hieß, dass sie die ganze Stunde damit verbrachte die Kinder am Rand stehen zu lassen und eines nach dem anderen die 25m versuchen ließ. Als ich den verzweifelten Versuch meines Kindes sah sich über Wasser zu halten, wusste ich schon dass es auch diesmal nichts würde.  Nach einer deutlichen Beschwerde bei besagter Schwimmschule, über die Menge der Kinder/Schwimmlehrerin, buchten wir im 3. Anlauf bei der VHS einen Schwimmkurs im dörflichen Hallenbädle – 2 Schwimmlehrerinnen auf ca. 8 Kinder. Um die Motivation des Großen zu steigern und ihm einen kleinen Anreiz zu geben versprach ich ihm die langersehnte Schwimmbrille wenn er es diesmal schaffen würde und Schwimmen lernte. Ich zweifelte schon an mir selber denn mein Sohn ist im Wasser ein für mich unglaubliches Phänomen. Er springt und taucht und holt Dinge herauf, warum sollte er nun diese verflixte Prüfung nicht schaffen die ihn ermächtigen würde auch ins das tiefe Schwimmbecken zu gehen.
Aus Selbstschutz habe ich ihm die Jahre davor eingeredet dass er erst ins tiefe Becken darf wenn er sein Seepferdchen hätte. Vielleicht war das pädagogisch nicht wertvoll, aber als Rettungsschwimmer musste ich mich mit so vielen Übungen zur Rettung von Personen im Wasser auseinandersetzen das ich mich nicht in der Situation sehen wollte mein Kind retten zu müssen.


Nun saß ich also auf der Bank am Fenster und kannte auch jetzt den Kenntnisstand meines Sohnes nicht. Mein Mann war die Woche zuvor mit ihm oft noch abends schwimmen um ihm noch ein paar Tipps und Sicherheit zu geben.  Die letzten paar Wochen vor dem Mutterschutz ist einfach noch so viel auf Arbeit zu erledigen das es schwierig war vor 16.30 die Firma zu verlassen und vor 17.00 Uhr zu Hause zu sein. Aber letzten Dienstag also habe ich eher Feierabend gemacht, um ihm noch einmal kurz Mut zuzusprechen und die Daumen zu drücken.

Ich fieberte regelrecht mit meinem Kind mit. Er hatte so doll geübt um nun endlich seine neue Freiheit (und Schwimmbrille) zu bekommen. Ja, ich war die Mutter am Rand die ihre Daumen zusammen presste und leise vor sich hin murmelte: „Du schaffst das, du schaffst das,...“. Dann legte er los. Bei diesem Kurs nahmen sie die Prüfungsrelevanten Punkte immer zwischen durch ab. Er schwamm so souverän seine 25m, naja und tauchen und vom Rand springen das ist ja sowieso seine Welt. Kurzum er schaffte also diesmal die Seepferdchenprüfung und ja ich war stolz wie Bolle. 

Aber was mein Herz hüpfen ließ war eigentlich noch etwas ganz anderes. Nämlich das Leuchten in seinem Gesicht. Das Glück, der Stolz auf seine Leistung und natürlich das gewebte Abzeichen in seiner Hand strahlen nur so aus ihm heraus. In dem Moment hatte ich auch keine Zweifel mehr ihn zu der Prüfung angefeuert zu haben. Hätte er diesen Moment des Stolzes erleben dürfen wenn ich ihn nicht dazu angespornt hätte? Noch dazu bei einer Prüfung deren Nichtbestehen  im Prinzip keine weiteren Auswirkungen gehabt hätte. Habe ich womöglich doch mit meinen Versprechungen zu viel Druck auf ihn ausgeübt?

Am Freitag ging es dann ins Sportgeschäft und nun ist er Besitzer einer Jugendschwimmbrille. Die musste Sonntag im Schwimmbad natürlich gleich eingeweiht werden. Ich saß also Sonntagvormittag am Beckenrand des  3m tiefen Beckens und beobachtete vergnügt einen ausgelassenen 6 jährigen der nicht genug davon bekam vom Startblock ins tiefe Wasser zu springen und Arschbomben zu produzieren. Davor begleitete er mich schwimmend die eine Bahn hin und im Nachhinein die andere Bahn zurück. 

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