Montag, 18. Mai 2015

Blick in die Werkstatt: Wie aus einem gesponnenen Garn ein Schal wird

Alles beginnt mit einigen Überlegungen. Beim Weben kann man sich ja nicht mehr so schnell umentscheiden ist der Webstuhl erst einmal eingerichtet. Also so was wie:
Was will ich weben?
Wie breit und lang soll das fertige Stück sein?
Welche Bindung möchte ich umsetzen?
Welches Material benötige ich dazu?

Nachdem  alle Berechungen stehen kann die Kette geschärt werden. Ich benutze dazu meinen Schärbaum auf dem ich das Kettgarn solange hin und her führe bis ich meine gewünschte Anzahl Kettfäden erreicht habe.


Dann muss die Kette ja auf den Webstuhl. Dazu wird sie erst im Reihkamm auf die gewünsche Breite aufgeteilt.


Nun frage ich meistens meinen Mann ob er mir die Kette beim Bäumen hält. Es geht zwar durch Umlenkung auch alleine, aber ich finde es dann echt schwierig eine gleichmäßige Kettspannung hinzubekommen.


Eine Arbeit die viele als lästig, oder langwierig empfinden ist der Einzug der Kettfäden in die Litzen auf den Schäften. Je nach Musterung erstelle ich mit vorher einen Einzugsplan den ich dann umsetze. Hier habe ich die Kette über 4 Schäfte verteilt, da ich zu faul war 2 Schäfte aus dem Webstuhl zu nehmen. Normalerweise hätte die Bindung nur 2 erfordert.


Der nächste Arbeitsschritt ist das Stechen des Webblattes. Der Schussfaden soll ja immer schön an das Webstück gedrückt werden. Dazu erhielt jede Fadengruppe ein eigenes Ried.


Jetzt binde ich die Kette mit gleichmäßiger Spannung an den vorderen Längerstab und schnüre noch die Tritte entsprechend meiner Musterung an die Schemel. Dadurch kann ich die Schäfte heben oder Senken. Das ist der Schritt in dem ich immer hoffe. Wenn ich gut angeschnürt habe minimiert sich das spätere Fachrichten. In welchem ich noch schaue ob sich ein sauberes Webfach bildet. Hier muss ich gegebenenfalls noch einmal Anschnürungen lockern oder anziehen.

Dann kommt der spannenste Teil der Arbeit- das Anweben. Ergibt sich die gewünschte Musterung? Kommt der Schuss so zur Geltung wie vorgestellt?


2-3h später kann ich das Webstück aus dem Webstuhl schneiden und nachbearbeiten. Jetzt knüpfe ich noch Fransen, die ich in eine gleiche Länge schneide, und führe die Werkschau durch um eventuelle Webfehler zu erkennen und zu beheben. Manchmal öffnet sich unbemerkt das Fach nicht richtig, oder ein Kettfaden hob sich nicht hoch genug. 

Der letzte Schritt ist das Waschen des Webstückes. Hier können sich die Fasern entspannen und ihr volles Volumen entfalten.


Fertig!

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