Mittwoch, 22. Oktober 2014

Warum ich „unseren“ Kindergarten mag


Seit mein Großer das erste Mal mit einem Jahr in eine Kindertagesstätte ging sind nun schon ein paar Jahre vergangen. In dieser Zeit durfte ich eine Menge Erfahrung zum Thema Kinderbetreuung und verschiedene Kindergärten sammeln. Bevor wir an unseren heutigen Wohnort zogen besuchte mein Großer einen klassischen Baden-Württemberger Kindergarten mit Kleinkindbetreuung. Wir fühlten uns alle wohl, mein Großer bezirzte alle und war sofort das Nesthäkchen und später wurden nach ihm sogar Puppen benannt. Dieser Kindergarten bestand aus 2 Gruppen, der Ü3 (über 3-jährigen) und der U3 (unter 3-jährigen).  Die Kinder beschäftigten sich innerhalb ihrer Gruppe und trafen sich auch mal draußen im Garten.
Dann zogen wir an unseren heutigen Wohnort um. Mein Großer war inzwischen 2 und die Eingewöhnung in eine neue Kleinkindgruppe fiel ihm zwar ein wenig schwerer als mit einem Jahr, aber er fand schnell Spielgenossen und fühlte sich auch hier wie zu Hause. Auch in diesem Kindergarten gab es das klassische Gruppensystem. Das Jahr bis zu seinem 3. Geburtstag verging schnell.  Er hatte sich super entwickelt, nur mit dem trocken werden ließ er sich eine Menge Zeit. Kurz nach seinem 3. Geburtstag wechselte er aus der Kleinkindgruppe in die Ü3, in die Igelgruppe. Wir freuten uns alle denn unsere Lieblingserzieherin war in genau dieser Gruppe.  Ausgerechnet kurz nach dem Wechsel des Großen entschied sich eben diese Erzieherin in die Kleinkindgruppe zu wechseln. Ab diesem Zeitpunkt nahm das Drama seinen Lauf. Die andere alteingesessene Erzieherin war in unseren Augen ein echter Drache. Sie scheuchte die Kinder, gab Anweisungen aber kaum Hilfestellungen und ließ ihre Laune an den Kindern aus. Jetzt kommt wieder der Punkt mit dem Trocken werden. Wir hatten die Windel schon fast weg als eben diese Erzieherin uns aufforderte unserem Großen wieder die Windel anzulegen, da es eine Zumutung sei ihn immer wieder umkleiden zu müssen.  Unser Großer hatte plötzlich Durchfall. Wir waren beim Arzt, machten diverse Tests auf Unverträglichkeiten, lebten sogar 2 Monate Laktose frei, aber alles half nichts. Der Durchfall kam immer wieder.
Irgendwann rief unsere Gemeinde zu einem Tag der offenen Tür in den Kindergärten auf. Wir hatten von Freunden und unserer Tagesmutter schon viel über einen Kindergarten mit einem offenen Konzept gehört. Nun wollten wir ihn auch mal anschauen. Das was wir sahen begeisterte uns sofort. Die Räume und Flure waren hell und freundlich gestaltet. Die Erzieher vermittelten sofort eine herzliche Atmosphäre. Dieser Kindergarten betreibt ein offenes Konzept. Das bedeutet es gibt keine klassische Gruppeneinteilung mehr sondern Räume “Funktionsräume“  in denen verschiedene Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten werden. Es gibt z.Bsp. ein Verkleidungszimmer, ein Atelier,  ein Forscherraum oder ein Bauzimmer. Die Kinder kommen morgens in dem Raum an, dem ihre Garderobe zugeordnet ist. Danach dürfen die Kinder entscheiden in welchem Themenbereich sie heute spielen wollen. Natürlich gibt es hier Regeln die ein Chaos verhindern sollen, so müssen sich die Kinder im alten raum abmelden und im neuen Raum anmelden. Diese Regeln sind aber so verständlich und automatisch das unser Großer nach dem Wechsel in eben diesen Kindergarten bald gut mit dem Konzept zurechtkam.
Meinem Mann und mir gefiel dieses offene Konzept. Die Kinder können so Gruppenübergreifend mit ihren Freunden spielen und sich in den verschiedenen Räumen und Bereichen in Ruhe auf ihre Beschäftigung konzentrieren. Natürlich gibt es auch die Rederunden innerhalb der Räume oder auch einen Gesamttreff, Es gibt eine Sportstunde und thematische Schwerpunkte im Kindergartenjahr die sich durch alle Räume ziehen. Im Moment dreht sich alles um die Welt der Bücher. Sie schöpfen Papier, malen Bilder, beschäftigen sich mit den Autoren und vieles mehr.
Wir grübelten lange darüber ob wir unserem Kind einen erneuten Wechsel antuen wollten, aber letztendlich begeisterte uns dieser Kindergarten so sehr und die Situation im alten Kindergarten wurde so belastend dass wir diesen Wechsel angingen.
Was soll ich sagen, unser Großer blühte schlagartig auf. Die Erzieher in diesem Kindergarten ermutigten die Kinder, sie leiten sie an und sie beschäftigen sich mit den Kindern. Der Große war in 2 Monaten trocken, der Durchfall war weg und es ging ihm super.
Wir hatten gestern mit unserem Bezugserzieher vom Großen sein vorschulisches Entwicklungsgespräch und auch hier bestätigte sich wieder: Die Erzieher in diesem Kindergarten kennen mein Kind. Sie beschäftigen sich mit meinem Kind, sie sind aufmerksam  und erkennen auch was ihn beschäftigt.
Ganz toll finde ich ja das Forscherzimmer. Im Laufe der Jahre fanden dort viele tolle Experimente statt. Sie beschäftigten sich z.Bsp.  spielerisch mit der Schwerkraft, sammelten Froscheier und beobachteten dann wie daraus Kaulquappen entstanden, sammelten Raupen und beobachteten wie daraus Schmetterlinge wurden, schöpfen Papier beobachteten Spinnen und vieles mehr. Hier setzt der Kindergarten so viele tolle Ideen um, daran merkt man wie motiviert die Erzieher in diesem Kindergarten sind. Die Kinder durften tolle Tage im Wald erleben, das Sommerfest wurde von den Erziehern  mit viel Enthusiasmus  zu einer Gemeinderalley mit anschließendem Picknick organisiert. Die Kinder durften das Mosaik am Eingang mitgestalten. Es gab einen tollen Feuerwehrtag. Es gibt einfach immer wieder so viel zu erleben für die Kinder das man einfach merkt mit wieviel Freude die Erzieher auch an ihre Arbeit herangehen. Ich finde auch die Infotafel mit dem Wochenüberblick toll. Soviel  Infos über die Themen im Kindergarten war ich bis zum Wechsel gar nicht gewohnt.
Ein anderer Punkt der mich sofort überzeugte, war die Verbundenheit der Eltern mit diesem Kindergarten. Hier gab es Elternaktionen um die Räume zu streichen, es gibt einen aktiven Elternbeirat und viele von den Elternorganisierte Aktionen. Das finde ich toll. So ein Kindergarten lebt einfach auch von der Gemeinschaft.
Es ist auch mal Zeit Danke zu sagen, dem Kindergarten mit seinen Erziehern, dem Elternbeirat und auch den aktiven Eltern.

Wenn ich hier ab und an über Geschehnisse im Kindergarten berichte die mir vielleicht nicht gefallen, oder die mich irritieren, so vergesse ich bei aller aufkommenden Kritik nie warum wir uns für genau diesen Kindergarten entschieden und diese Entscheidung auch in noch keiner Sekunde bereuten.

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