Mittwoch, 30. Juli 2014

Warum ich arbeite

Gestern Abend wurde mir mal wieder diese eine Frage gestellt, auf die ich komplett allergisch reagiere. „Warum hast du Kinder, wenn du arbeitest?“


Ich sollte eigentlich immun sein auf diese Frage, ich meine ich wohne in Baden-Württemberg auf dem Land und da ticken die Uhren ja anders. Dennoch stört es mich so etwas gefragt zu werden, allgemein, denn es war nicht das erste Mal das ich sowas gefragt wurde.

Ich frage mich ob einem Mann jemals eine solche Frage gestellt wurde?

Gehen wir mal einen Schritt zurück in die Vergangenheit. Frauen haben immer gearbeitet, ich spreche nicht von Frauen der klassischen “Oberschicht“, früher mehr auf dem Feld, in Fabriken, als Wäscherinnen… Kinder liefen nebenbei mit, oder wurden bei der Arbeit mit eingespannt. Dann kam das 3. Reich und es wurde propagiert Frauen gehören zu ihren Kindern, haben sich um das Zuhause und die Erziehung zu kümmern, am Ende dieser Zeit waren es die Frauen welche die Arbeit in den Produktionen übernahmen während die Männer im Krieg waren.
In den 50er Jahren war es schick den Stand der Frau zum Wohlstandsobjekt zu erheben. Schaut her ich kann es mir leisten, meine Frau muss nicht arbeiten gehen. Noch viel schlimmer, die Frau wurde vom Mann abhängig in einer Art und Weise die unsere gesamte Gesellschaft geprägt hat. Um der Arbeit der Frau einen höheren Wert zu geben wurden nun Tätigkeiten die einfach normal waren, wie Haushalt und Kinder, hervorgehoben, zum Thema gemacht. 
In diesem Kreislauf befinden wir, die wir nun 60 Jahre später leben, uns noch immer.  Ein perfekt geführter Haushalt und Kinder die wir am besten jede Minute fördern müssen um ja nicht den Anschluss an die PISA Studie zu verlieren, sind immer noch das Maß aller Dinge. Das beginnt mit Krabbelgruppen, Pekip, Babyschwimmen… Natürlich sei dabei immer zu beachten dass noch genug Zeit zum Spielen bleibt.

Nun komme ich, der nach einem Jahr zu Hause nach jedem Kind schier die Decke auf den Kopf gefallen ist, die es genießt geistig Probleme zu lösen, die es genießt mit Kollegen über technische Fragen zu fachsimpeln…

Also warum arbeite ich?

1.     Natürlich um Geld zu verdienen 
2.     Um mich geistig heraus zu fordern und Anerkennung für mein Tun zubekommen 
3.     Weil Prioritäten sich dadurch verschieben und die neusten Rezepte nicht zum 
        Lebensmittelpunkt werden (ein Beispiel für alle so wichtigen Sachen des Haushalts). 
4.     Um mit Leuten persönlich über Themen zu sprechen, die mein Umfeld nicht 
        interessieren. 
5.     Weil ich nicht so viel Zeit damit verbracht habe mir Wissen anzueignen um dann  
        zu Hause mein Kind auf den Spielplatz zu bringen und es zu beschäftigen.


Das ist übrigens auch ein neuer Aspekt unserer Gesellschaft. Die Reflektion über den Erfolg und die Zufriedenheit bei der Arbeit. Nein, heute ist es nicht mehr nur wichtig genug Geld für seine Arbeit zu erhalten, es geht auch um Anerkennung und Zufriedenheit.

Ich liebe meine Kinder!!! Freie Zeiten werden intensiver genutzt. Ich lese vor, ich vermittle im Auto Wissen, diskutiere theologische Themen mit ihnen, vermittle meine Werte und möchte dass sie zu selbständigen Menschen mit festen Vorstellungen werden, die in der Lage sind ihre Meinung zu vertreten. Wir gehen auf den Spielplatz, fahren Fahrrad, spielen und malen.
Ich will mir für unser Leben keine Gewissensbisse einreden lassen. Ich kenne meine Kinder, kann sie einschätzen, ermuntere sie und reflektiere mein eigenes Verhalten.

Ja, ich bin auch in diesem bescheuerten Kreislauf gefangen, warum nämlich nehme ich mir so eine blöde Frage sonst so zu Herzen?

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